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Kategorie TRAUERZEIT | Lesezeit ca. 10 Min

Tiertrauer bewältigen: Der 1-Tages-Trauercheck

Warum ein einziger bewusster Tag dir zeigen kann, wo du in deiner Tiertrauer Halt findest und wo du dich unbemerkt zusätzlich erschöpfst.

Die Erinnerung holt uns selten in den Momenten ein, in denen wir damit rechnen. Weder am Jahrestag noch beim Betrachten des letzten Fotos. Es braucht nicht einmal jemanden, der den Namen deines Tieres ausspricht.

Worum es geht

In nur einem bewussten Tag erkennst du, was dich in deiner Tiertrauer trägt und was dich unbemerkt zusätzlich erschöpft. Du bekommst meine einfache Übung an die Hand, die nichts bewertet, dich zu nichts drängt und nichts beschleunigen will. Sondern dir zeigt, wo schon ein einziger kleiner Schritt dir den Boden zurückgeben kann, der dir gerade fehlt. Denn manchmal beginnt Halt in der Tiertrauer mit einem einzigen, ehrlichen Tag.

Manchmal trifft es dich völlig unvorbereitet, an einem ganz normalen Dienstagmorgen. Du stehst in der Küche, während der Kaffee leise durchläuft. Für den Bruchteil einer Sekunde fühlt sich alles ganz normal an. Doch dann greift deine Hand ins Leere. Da ist kein Napf mehr, der darauf wartet, gefüllt zu werden. Kein vertrautes Pfotentapsen hinter dir. Kein Blick, der stumm fragt: „Und, was erleben wir heute?“ oder „Wann gibt es endlich Fressen?“ Und genau in diesem Moment bricht sie über dich herein: Diese Welle.

Trauer kommt nicht nur in den großen Erinnerungen. Sie sitzt im Alltag, in Uhrzeiten, in Gewohnheiten. In Wegen, die du nicht mehr gehst. In Routinen, die früher mit so viel Liebe gefüllt waren und sich jetzt anfühlen wie Stiche ins Herz.

Wenn ein Tier stirbt, verliert man nicht „nur ein Tier“. Man verliert ein Gegenüber. Einen Teil des eigenen Tages. Ein Stück bedingungslose Geborgenheit. Einen Platz im Zuhause, der plötzlich viel zu leer ist.

Und genau deshalb ist eine Frage so wichtig:

Was in deinem Alltag hilft dir, deine Trauer zu tragen und was macht sie schwerer?

Nicht, um deine Trauer wegzumachen. Nicht, um schneller wieder zu funktionieren. Und ganz sicher nicht, um den Verlust deines Tieres kleinzureden. Sondern um dich selbst in dieser schweren Zeit wieder besser wahrzunehmen.

Wenn Tiertrauer nicht nur im Herzen sitzt, sondern im ganzen Tag

Viele Menschen denken bei Trauer zuerst an Gefühle (das Weinen, der Schmerz, die Schuldgefühle, die Sehnsucht) und an die Leere, die niemand füllen kann. Dabei sitzt Tiertrauer nicht nur im Herzen, sondern im gesamten Tag. Sie ist da beim Aufstehen und den Routinen, die nicht mehr da sind: Kein Füttern mehr, kein Kraueln, kein Verabschieden, kein Heimkommen mit Begrüßung…

Tiere strukturieren unser Leben auf eine sehr unmittelbare Weise. Sie geben Rhythmus. Sie fordern uns. Sie begleiten uns. Sie erinnern uns daran, aufzustehen, hinauszugehen, zu füttern, zu versorgen, zu sprechen, zu berühren. Wenn dieses Tier fehlt, fehlt nicht nur sein Körper. Es fehlt eine ganze Ordnung.

Wichtig zu wissen

ZWISCHEN SCHMERZ UND NEUORDNUNG

Trauer ist nicht nur ein Gefühl. Sie verändert auch unseren Alltag. In der Trauerforschung wird beschrieben, dass Menschen immer wieder zwischen dem Schmerz des Verlustes und der Neuordnung ihres Lebens hin- und herpendeln. Genau deshalb treffen uns nach dem Tod eines Tieres oft die kleinen Dinge so tief: der leere Napf, oder das leere Körbchen, die stille Wohnung ohne Pfotengetrappel, der fehlende Dogwalk, ausbleibende Routinen.

Und genau deshalb reicht es oft nicht, Trauer nur als inneres Gefühl zu betrachten. Wir müssen auch auf den Alltag schauen, in dem diese Trauer jeden Tag neu auftaucht.

Was der 1-Tages-Trauercheck wirklich ist

Ich nenne diese Übung den 1-Tages-Trauercheck. Nicht, weil Trauer sich in 24 Stunden verstehen lässt. Und erst recht nicht, weil es darum geht, deinen Schmerz zu bewerten, zu analysieren oder möglichst schnell loszuwerden.

Der 1-Tages-Trauercheck ist eine einfache Einladung zur Reflexion. Er hilft dir, einen einzigen Tag lang ganz bewusst hinzuschauen:

Denn viele Trauernde funktionieren einfach. Sie gehen zur Arbeit, beantworten Nachrichten, kümmern sich um die Familie, den Haushalt, andere Tiere oder Verpflichtungen. Nach außen hin sieht alles normal aus. Innen aber ist gar nichts normal.

Da ist dieser Druck auf der Brust. Diese lähmende Müdigkeit. Eine ständige Reizbarkeit. Diese tiefe Leere. Das plötzliche Weinen wegen einer Kleinigkeit oder auch dieses quälende Nicht-Weinen-Können.

Trauer ist Schwerstarbeit. Sie braucht unendlich viel Kraft. Doch oft verlieren wir im Alltag schleichend noch mehr Energie an Dinge, Menschen oder Gedanken, die uns eigentlich gar nicht guttun. Genau dort setzt der 1-Tages-Trauercheck an.

Was dieser Check nicht ist

Was meine Übung ganz sicher nicht ist: Der Check ist kein Messinstrument und keine Diagnose. Er will dir nicht vorschreiben, ob deine Trauer „richtig“, „normal“ oder schon „zu lang“ ist. Wir beide wissen: für die Liebe und das Vermissen gibt es keine Zeitleiste und kein Regelwerk. Er kann und will auch keine therapeutische Hilfe oder professionelle Begleitung ersetzen.

Dieser Check ist viel schlichter. Und vielleicht deshalb ein gutes Alltagsinstrument:

Er ist eine Einladung an dich selbst, mitten im Sturm einmal kurz innezuhalten und hinzuspüren, wie es dir eigentlich geht. Ohne Härte, ohne Kontrolle und ohne Erwartungsdruck, sondern mit ganz viel Ehrlichkeit und einer tiefen, warmen Freundlichkeit dir selbst gegenüber.

Die unsichtbare Waage deines Alltags

Stell dir deinen Tag wie eine Waage vor. Auf der einen Seite liegt dein Verlust. Dieses Gewicht kannst du nicht einfach wegnehmen. Es ist da, weil Liebe da war. Weil Bindung da war. Weil dein Tier wichtig war. Aber auf der anderen Seite gibt es kleine Dinge, die dich halten können.

Und dann gibt es Dinge, die die Waage zusätzlich beschweren.

„Der Trauercheck hilft dir, diese Waage sichtbar zu machen. Nicht, damit du dich optimierst.
Sondern damit du erkennst, wo du dich in deiner Trauer vielleicht ein kleines bisschen besser schützen darfst.“

SONJA TSCHÖPE

So funktioniert der 1-Tages-Trauercheck

Nimm dir für einen Tag ein Notizbuch, ein Blatt Papier oder die Notiz-App deines Smartphones. Schreibe grob Zeile für Zeile untereinander auf, was du tust. Es muss kein Roman sein, denn es geht nicht um eine lückenlose Dokumentation. Es geht vielmehr um Wahrnehmung. Zum Beispiel:

7.30 Uhr aufgestanden und Kaffee gemacht
8.00 Uhr ins Büro gefahren

12.30 Uhr nichts gegessen und geweint
14.00 Uhr mit einer Freundin telefoniert
16.30 Uhr zurück zuhause, Instagram-Check
18.00 Uhr Gespräch mit Nachbarin
20.15 Uhr TV eingeschaltet, Kerze angezündet

Am Abend nimmst du dir ein paar Minuten Zeit, gehst deine Notizen noch einmal durch und stellst dir bei jedem Punkt eine ganz einfache Frage:

Hat mich das heute genährt oder hat es meine Trauer zusätzlich schwerer gemacht?

Um dir einen Überblick zu verschaffen, kannst du mit drei einfachen Zeichen arbeiten: Ein Plus (+) für alles, was dir gutgetan oder dich ein wenig getragen hat. Ein Minus (–) für das, was dich Kraft gekostet hat. Und eine Null (0), wenn du unsicher bist oder das Gefühl hattest, es war einfach neutral.

Wichtig: Bitte bewerte dich nicht

Wenn du drei Stunden auf dem Sofa gelegen hast, ist das kein Versagen. Vielleicht war es tiefe Erschöpfung. Vielleicht ein schützender Rückzug. Vielleicht war es genau das, was dein Körper in diesem Moment gebraucht hat. Es kann aber auch sein, dass es dich im Nachhinein noch leerer zurückgelassen hat.

Was davon zutrifft, findest du nur heraus, wenn du ganz ehrlich hinschaust. Nicht mit einem erhobenen Zeigefinger, sondern mit einem liebevollen Blick auf dich selbst.

ZUSAMMENGEFASST

Was der 1-Tages-Trauercheck dir zeigen kann

Meine Übung hilft dir als eine Art Journaling deinen Alltag nach dem Tierverlust bewusster wahrzunehmen. Du beobachtest einen Tag lang, was du tust und prüfst am Abend was dich genährt hat, was dich zusätzlich belastet hat. Welche Menschen, Gedanken, Gewohnheiten oder Situationen haben dir Halt gegeben und welche haben deine Trauer erschwert?

Dabei geht es nicht darum, deine Trauer zu bewerten, abzukürzen oder zu beschleunigen. Es geht darum, dich selbst inmitten dieser schweren Zeit nicht zu verlieren. Denn Trauer braucht Raum und du brauchst Halt. 

Wenn du merkst, dass du damit nicht allein sein möchtest

Manchmal reicht ein stiller Check am Ende des Tages aus, um ein wenig Ruhe zu finden. Und manchmal merkst du genau dabei: Ich brauche mehr als das. Ich brauche jemanden, der mir einfach zuhört. Jemanden, der tief im Herzen versteht, dass dieser Verlust nicht „nur ein Tier“ betrifft, sondern ein geliebtes Familienmitglied. Jemanden, der nicht bewertet, nicht drängt und nicht versucht, deinen Schmerz kleinzureden.

Wenn du das spürst, dann darfst du dir Unterstützung holen. Nicht, weil du schwach bist, sondern weil die Liebe manchmal so unendlich groß war, dass die Trauer danach zu schwer ist, um sie ganz alleine zu tragen.

Solltest du das Gefühl haben, dass dir im Moment alles über den Kopf wächst und du sofort jemanden zum Reden brauchst, gibt es kostenlose, anonyme und rund um die Uhr erreichbare Krisentelefone, die dir in schweren Stunden beistehen:

Deutschland: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (TelefonSeelsorge)
Österreich: 142 (Telefonseelsorge)
Schweiz: 143 (Die Dargebotene Hand)

Wenn du dich speziell in deiner Tiertrauer austauschen möchtest, kann ein geschützter Raum unglaublich guttun. Genau so einen Ort haben wir mit unserem „Trauergarten“ geschaffen. Das ist unsere geschützte Facebook-Gruppe, in der meine Herzenshelfer und ich für dich da sind. Hier darf alles da sein: Tränen, offene Fragen, schöne Erinnerungen, Schuldgefühle… Und auch die Momente, in denen du vielleicht zum ersten Mal wieder lächelst und dich im selben Augenblick fragst, ob das überhaupt schon erlaubt ist. Ja! Es ist erlaubt.

PERSÖNLICHES ZUM SCHLUSS

Ich bin Sonja!

Sonja Tschöpe, Gründerin von Lebewohlpfote

Ich begleite seit fast zwei Jahrzehnten Tiere und ihre Menschen am Lebensende, im Abschied und in der Trauer. Und wenn ich eines immer wieder sehe, dann ist es das: Menschen brauchen in dieser Zeit keine schnellen Antworten. Sie brauchen Halt und Orientierung. Und manchmal jemanden, der ihnen sagt: Du bist nicht falsch mit dem, was du gerade fühlst.

Genau das möchte ich dir an dieser Stelle sagen: Du bist nicht falsch!
Weder mit deiner Trauer, noch mit deinen Gefühlen rund um den Tierabschied.

Du musst diesen Weg nicht alleine gehen. Ich bin für dich da. Wir sind für dich da.

Deine Sonja

Gründerin der Lebewohlpfote und Mensch mit Herz

Ich richte hier ganz bewusst einen Scheinwerfer auf das, worüber die meisten lieber schweigen.

Auf den Tiertod. Auf die Trauer um ein „nur ein Tier“. Auf den Schmerz, der so oft mit einem schnellen „Hol dir doch ein neues“ weggewischt wird. Aber dieses Tier war kein „nur“. Es war dein Gefährte. Ein Familienmitglied. Ein Stück deines Zuhauses.

Die Sterbe- und Trauerbegleitung von Tieren und ihren Menschen ist in meiner tierischen Berufung zu meinem Herzensthema geworden. Hier auf dem Blog schenke ich dir Texte, die dir Halt geben sollen, wenn alles um dich herum im Nebel verschwindet. Wie ein Leuchtfeuer, das dir Richtung gibt, auch wenn du gerade noch keine Kraft hast, selbst zu leuchten.

Du kennst jemanden, dem dieser Artikel helfen könnte? Dann stups ihn liebevoll darauf. Trauernde fragen selten nach Hilfe. Aber sie spüren, wenn jemand an sie denkt.

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©Lebewohlpfote - Sonja Tschöpe